Nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus
begann der Wiederaufbau des Landes mit Hilfe der sowjetischen "Befreier".
Ihnen zu Ehren entstand Ende 1945 das "Denkmal
der Roten Armee" an Stelle der Brunnenanlage "Stürmische
Wogen" auf dem Albertplatz (Gerüchten zufolge schuf der Künstler
die Figurengruppe noch als Auftragswerk für die Wehrmacht; nach
dem Krieg brauchten nur die Stahlhelme der beiden Soldaten etwas
verändert werden). Der Albertplatz wurde zum "Platz der Einheit"
(gemeint ist die Einheit der Arbeiterklasse) und zum Schauplatz
für die alljährlich stattfindenden Kranzniederlegungen zum "Tag
der Befreiung" am 8. Mai. Die Königsbrücker Straße erhielt
ihren neuen Namen nach Otto Buchwitz, einem der Gründungsväter der
"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands" (SED) in
Sachsen.
Anläßlich des 1.
Pioniertreffens in Dresden im August 1952 wurde der Alaunplatz in
"Platz der Thälmann-Pioniere" umbenannt. Er wandelte sich
zur Parkanlage, an seiner Nordseite entstand eine Freilichtbühne
(Naturbühne Nord) sowie ein überdachter Pavillon (im gleichen Jahr
und vermutlich auch im gleichen Zusammenhang wurde als "Zentraler
Klub der Jugend und Sportler" die heutige Scheune eröffnet).
Eine zweite Freilichtbühne existierte schon seit 1945 am Ende der
Bischofswerdaer Straße, auf der Rückseite des ehemaligen Fletcherschen
Lehrerseminars. Einst für Kindervorstellungen angelegt, geriet sie
bald in Vergessenheit und wurde erst vor wenigen Jahren durch die
Aufführungen des "Allraunen"-Theaters wiederentdeckt.
Die fünfziger und sechziger Jahre hinterließen
wenig Spuren. Während anderswo in Dresden in großem Stil neu gebaut
wurde, stagnierte die Entwicklung in der Äußeren Neustadt (eine
Ausnahme ist der 1962-64 ausgeführte Neubau
des Hauptpostamtes Neustadt an der Ecke Otto-Buchwitz-Straße
(Königsbrücker Straße)/ Lößnitzstraße. Die relative Unversehrtheit
der meisten Häuser nach Kriegsende entwickelte sich immer mehr zum
Problem. In der von permanenter Materialknappheit geprägten DDR
wurde nur das Allernotwendigste getan, um die Gebäude instand zu
halten. Ein weiterer Faktor kam hinzu: Man war sich uneinig über
den Umgang mit der Bausubstanz, die doch einer vergangenen Ära entsprang
und nicht den Idealen einer sozialistischen Großstadt entsprach.
Also passierte nichts, nur der Verfall der Gebäude nahm immer mehr
zu.
Damit einher ging die
Einwohnerzahl in der Äußeren Neustadt immer weiter zurück. Sie schrumpfte
bis 1989 auf ca. 14.000, das ist etwa ein Drittel im Vergleich zu
dem Stand vor 1945 (der großen Fluktuationswelle folgte ab den siebziger
Jahren ein verstärkter Zuzug von Studenten und Künstlern, die allerdings
das Defizit nicht ausgleichen konnten). Mit der Abnahme der Bevölkerung
setzte auch ein Abbau der sozialen Kultur ein. Viele Gaststätten
machten dicht, mitunter halfen die staatlichen Behörden dabei etwas
nach. Die allerdings, die blieben, wurden zu Institutionen. Besonders
das "Goldene Hufeisen" in der Alaunstraße 83, die "Goldquelle"
und die "Konzertklause" (beide ebenfalls in der Alaunstraße)
waren ein Abbild der Verhältnisse im Viertel.
Anfang der siebziger
Jahre begann ein zaghafter Versuch zur Sanierung der Äußeren Neustadt.
Der Häuserblock Alaunstraße/ Jordanstraße (hier auch die Häuser
auf der Südseite)/ Förstereistraße und Timaeusstraße wurde einem
"Rekonstruktionsprogramm" unterzogen, das sich noch heute
vor allem an den ausgebauten Mansarddächern erkennen läßt (siehe
Foto). An der Jordanstraße wurden zwei neue Eckgebäude errichtet,
die sich relativ harmonisch ins Straßenbild einfügen (sogenannte
"Lehrlingsbauten"). Eine Ausdehnung des Programms auf
andere Straßenzüge unterblieb aber.
Erst in den achtziger
Jahren, als man im Städtebau zur geschlossenen Quartierbebauung
zurückfand (nicht nur in Dresden, und nicht nur in der DDR), wurde
ein neuer Versuch zur Sanierung der Äußeren Neustadt gestartet.
Zwar sollte die Struktur des Viertels gewahrt bleiben, die Bebauung
allerdings sollte zu einem großen Teil durch neue Plattenbauten
ersetzt oder zu Grünflächen umgestaltet werden. Die gesamte östliche
Häuserzeile an der Prießnitzstraße war zum Abriß vorgesehen, ebenso
der gesamte Geviert zwischen Schönfelder Straße, Kamenzer Straße,
Sebnitzer Straße und Prießnitzstraße, sowie der nördlich Richtung
Bischofsweg anschließende Block, um nur einige Beispiele zu nennen
(siehe Plan). Um die
ökonomisch günstigste Variante bei der Herstellung der neuen Blockbebauung
herauszufinden, entstanden an der Martin-Luther-Straße drei Versuchsbauten
mit verschiedenen Technologien (in einem dieser Gebäude befand sich
bis vor kurzem der "Club für Dich").
In einem anderen Zusammenhang, und zwar mit
der Komplettierung des nördlichen Teils der Straße der Befreiung
(heute Hauptstraße), erhielt auch der Albertplatz 1986 seinen seit
dem Kriegsende fehlenden nördlichen Abschluß. Diesem an sich gelungenen
Ensemble mußte allerdings auch eines der ältesten Häuser der Äußeren
Neustadt weichen (in der Alaunstraße
Nr. 6, von 1832).