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Die
Gesichter des "Thalia"
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Anne
Schlichting und Stephan Raack sind die Betreiber von Bistro
und Kino im neuen "Thalia" |
Thalia,
mit Betonung auf dem "i", ist in der griechischen Mythologie
diejenige der neun Musen, die für die Komödie zuständig
ist. Für Stephan Raack, 29, fungiert diese Göttin als
Namensgeberin seines Programmkinos und Bistros, das er am 21. Oktober
gemeinsam mit Anne Schlichting, 35, auf der Görlitzer Straße
6 eröffnet hat. Nicht ganz zufällig, denn vor 1945 gab
es am gleichen Ort schon einmal ein Theater gleichen Namens mit
Filmbetrieb. Die neue "Thalia" zeigt täglich drei
Filme in dem kleinen Saal mit 71 Plätzen, im vergleichsweise
großen Vorraum kann man trinken oder essen - egal ob man den
Film sehen möchte oder nicht. "Die Leute sollen uns auch
als Kneipe akzeptieren", ist Annes Wunsch. Wie Stephan weiß
sie, dass weder Gastro noch Film allein eine große Überlebenschance
hätten. "Eine Kombination aus beidem könnte jedoch
funktionieren, da sind wir uns auch mit dem Besitzer des Hauses
einig", meint Stephan. Mehrere Zehntausend Euro eigene Investitionen
stecken in dem Projekt, aber keine Bankkredite. Für die erste
Zeit heißt das wirtschaftliche Ziel erst einmal "Plus-Minus
Null". Dennoch ist die Hoffnung da, irgendwann vom "Thalia"
leben zu können...
Für
Anne ist das neue Kino nicht das einzige Standbein. Die gebürtige
Schwerinerin, die während ihres Chemiestudiums hier zu kellnern
begann und auch nach dem Abschluss dabei blieb, betreibt außerdem
noch das "ReiterIn" , ebenfalls auf der Görlitzer.
Im "Thalia" kümmert sie sich um den gastronomischen
Teil. "So viel Mehrarbeit ist es nicht, da mache ich eben die
Getränkebestellung für beide Kneipen zusammen", sagt
Anne. Nur organisatorisch könne es schwierig werden. Zum Glück
wohnt die zupackende Frau mit den Rastalocken gleich um die Ecke,
so dass noch ein bisschen Zeit für ihre Hobbys Billardspielen,
Freunde treffen und - wer hätte das gedacht - Kino bleibt.
Ihr
Mitstreiter Stephan kennt Anne aus der Zeit, als sie im "Casablanca"
die Bar "schmiss" und er durch seine Freundschaft mit
Betreiber Michael Rudolf fast täglich dort zu finden war. "Bei
Michael habe ich gelernt, wie man Filme bestellt und zeigt",
erzählt der ehemalige Energieelektroniker. Also ist Stephan
bei "Thalia" für den cineastischen Teil verantwortlich.
"Leider ist man als Kinobetreiber immer sehr von den Verleihern
abhängig. Die großen, aktuellen Filme kommen halt immer
erst in die großen Kinos. Da muss man sich besondere Konzepte
für sein Programm überlegen, zum Beispiel Hintergrundwissen
vermitteln." Fürs Gespräch nach dem Film steht Stephan
ohnehin bereit, denn Kino ist für ihn mehr als ein Job: "Ich
mag Filme, in denen man sich verlieren kann, aber auch den Umgang
mit dem Material, die Filmstreifen anzufassen, das Rattern der Maschine
zu hören...". Dass er in den ersten Monaten nicht viel
Freizeit haben wird, ist Stephan bewusst. Immerhin will er dem "Thalia"
sein "Gesicht aufdrücken", und dazu gehört Präsenz.
Für Freundin und Sohn will er sich dennoch ausreichend Zeit
nehmen, weiß er doch, wie schnell soziale Kontakte leiden
können, wenn man "Nachtarbeiter" ist. Marathons mit
dem geliebten Mountainbike - hoffentlich nächstes Jahr wieder,
hofft Stephan. Als Training muss erst einmal die Strecke von der
Arbeit nach Hause reichen. Im Unterschied zu Anne wohnt Stephan
nämlich nicht in der Neustadt, sondern in Trachau. Um dem "Neustadtkoller"
aus dem Weg zu gehen, wie er sagt.
Text + Foto: Beate Diederichs
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