Thema: Neustädter Mordgeschichten

Mord in der Talstraße

 
Die Talstraße im Schatten der Martin-Luther-Kirche: Schauplatz eines blutigen Verbrechens vor 58 Jahren

Die Schrecken des Krieges waren noch immer gegenwärtig, da erregte Ende 1946 ein brutaler Doppelmord die Gemüter der Dresdner Öffentlichkeit. Am 17. Dezember war in den Trümmern der ehemaligen Exerzierhalle auf dem Alaunplatz ein Paket mit zwei, an den Knien abgetrennten Frauenbeinen gefunden worden. Unzweifelhaft lag ein Verbrechen vor, doch zu wem gehörten diese Beine? Das Zeitungspapier, in dem sie verpackt waren, wies einen grünen Tintenfleck auf. Die relativ seltene Verwendung dieser Farbflüssigkeit führte die Spur der Ermittler u.a. auch zum Dresdner Glühlampenwerk, wo seit dem 12. Dezember die 40-jährige Wicklerin Käthe Stiehler mit ihrem siebenjährigen Sohn Heinz vermißt wurde. Der Fund weiterer Leichenteile in der Umgebung des Alaunplatzes brachte die Bestätigung, dass die beiden umgebracht worden waren.


Noch am 28. Dezember erschien in den Dresdner Tageszeitungen eine Vermißtenanzeige mit dem Foto von Käthe Stiehler und ihrem Sohn
 

Bei der Tätersuche geriet recht bald die 34-jährige, ebenfalls als Wicklerin im Glühlampenwerk arbeitende Frieda Lehmann unter Verdacht. Sie wohnte in unmittelbarer Nähe der Fundorte in der Talstraße 9 und besaß in ihrer Wohnung ebensolche grüne Tinte. Nach anfänglichem Leugnen legte die Beschuldigte ein umfassendes Geständnis ihrer blutigen Tat ab. Demnach lud sie am Abend des 11. Dezember 1946 ihre Arbeitskollegin und Freundin Käthe Stiehler unter dem Vorwand, ein Weihnachtsgeschenk für deren Sohn Heinz übergeben zu wollen, zu sich nach Hause ein. Als die Besucherin in der Küche Platz genommen hatte, schnitt Frieda Lehmann ihr urplötzlich mit einem scharfen Fleischermesser von hinten die Kehle durch. Das Opfer sprang auf, sackte aber sofort, ohne noch einen Laut abgeben zu können, in sich zusammen. Den im Nachbarzimmer wartenden ahnungslosen Sohn ereilte kurz danach das gleiche Schicksal. Die Leichen sind daraufhin zerlegt und die einzelnen Körperteile anschließend entweder in Paketen oder Säcken verpackt aus dem Haus gebracht oder im Ofen verbrannt worden. Die Erfahrung für ihr furchtbares Werk besaß die Mörderin durch ihre frühere Arbeit in einer Fleischerei. Das Motiv des Mordes war Habgier. Frieda Lehmann wollte die Besitztümer ihrer materiell besser gestellten Freundin an sich bringen. Als die Spuren des Verbrechens beseitigt waren, ging sie in die Wohnung der Ermordeten in der Großenhainer Straße 106 und nahm Kleidung, Essbestecke und andere Wertgegenstände mit. Die Sachen sollten später auf dem Schwarzen Markt gegen Lebensmittel eingetauscht werden.

Als am 3. Januar 1947 in der Sächsischen Zeitung die Aufklärung des Falles mitgeteilt wurde, erfolgte dies natürlich nicht ohne Würdigung der Arbeit der neuen Kriminalpolizei. Gleichzeitig kam als Ursache für solch ein bestialisches Verbrechen nur das "moralische Verderbnis des Nationalsozialismus" in Frage. Frieda Lehmann wurde wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 05.10.2004