|
Erlebnisbad
am Prießnitzbach
| |

Im
Linckeschen Bade "drängten sich in den Sonntag-Nachmittagen
die Elegants und die blühenden Töchter der Hauptstadt
in einem von Linden umwölbten Gange". |
Das
1766 von Superaccisrat Karl Christian Lincke erworbene Grundstück,
zwischen unterer und oberer Prießnitzbrücke gelegen,
sollte bald für Jahrzehnte in ganz Dresden ein aufregender
Begriff werden. Der königliche Beamte wollte Vergnügen
in großem Maßstab arrangieren und ließ sich, clever
die zwanzigjährige Steuerfreiheit nutzend, gleich noch drei
Privilegien dafür genehmigen. Allerlei fremde Weine und Biere
durften er bald in seinem Garten ausschränken sowie im Grundstück
Brot und "weiße Ware" backen, schlachten und eine
Schmiede halten.
Bald
schon sollte das zweite Privilegium genutzt werden: Badefreuden
im klaren Prießnitzwasser. Als dann Hofmedicus Kretzschmar
gutachterlich die Heilkraft des Mineralwassers bei "Rücken-,
Kreuz- und Kopfschmerzen" nachwies und das Prießnitzwasser
durch Pumpen auf das Grundstück geleitet werden konnte, war
auch der lockende Klang des "Erlebnisbades" schon längst
in die Stadt hineingetragen worden.
Der
Chronist Hache berichtet uns, dass "auf dem Lincke`schen Bade
ein steinernes Wohnhaus, ein bequemes Badehaus mitten im Garten
ist, wo man in kleinen Zimmern nach eigenen Gefallen Wasser in die
Badewanne lassen kann". Auch wird aus nachfolgender Zeit erzählt,
dass " die Anstalt mit sechzehn Prießnitzwasserbädern
ausgestattet sei und dass der Concertgarten als einer der ersten
Sammelplätze der Dresdener schönen Welt anzusehen sei.
Hier drängen sich in den Sonntag-Nachmittagen die Elegants
und die blühenden Töchter der Hauptstadt in einem von
Linden umwölbten Gange. Man kommt, um zu sehen und gesehen
zu werden". Dazu herrschte ein umtriebiger Gondelverkehr zwischen
der Elbbrücke und dem belebten Flanier-Bad.
Ein
Sommertheater als weiteres Vergnügen wurde bald hinzugefügt.
"Zur Erholung der Badegäste" lautete die überzeugende
Begründung für das dritte Privileg, und damit konnte Linckes
Theaterdirektor endlich die Seylersche Theatergesellschaft aus Weimar
verpflichten.
"Der
Städter nach der Mode" hieß die Eröffnungsveranstaltung
und die Patronin Frau Seyler begann ihren Prolog mit den treffenden
Worten: "Lockt nicht der Elbestrom und die grüne Flur
hier euren Geist und euer Herz zu weiden...?" Wer inzwischen
Feuer gefangen hatte, stürzte sich nur noch kurz ins Mineralwasserbad,
weil heiße italienische Opernklänge auf der Bühne
lockten: "La Cantatrice Villane" von Fioravanti etwa oder
die erregenden Tänze der schlanken Ballerinen von Morellis
Ballettschule oder Ludwig Muths Tanzgesellschaft.
Schier
unendlich waren die Ideen der Lincke'schen Programmdirektoren! Eines
Tages aber musste das inzwischen baufällige Theater aufgegeben
werden. Die königliche Hoftheatergruppe sang dem altersschwachen
Theaterbau ein Abschiedslied. Vorher hatte es schon die Abschiedsvorstellung
gegeben, ein Stück mit dem beziehungsvollen Titel "Wenn
Frauen weinen".
Niemand
konnte sich aber vorstellen, dass die Vergnügungen jemals aufhören
könnten. So dachten später auch die Erben des Accisrates
Lincke. Als 1859 ein großes Konzerthaus errichtet worden war,
wurde erst recht Musik gemacht. Bald schon dirigierte hier der bekannte
Komponist und Dirigent Hugo Hünerfürst. Die "Dresdener
Liedertafel", der beliebte Chor, gab seine großen Konzerte.
Sängerfesttage des Elbgausängerbundes fanden statt und
ein bemerkenswertes "Nähmaschinenfest" der Firma
Clemens Müller anlässlich der Fertigstellung der 100.000.
Nähmaschine wurde mit allen Mitarbeitern gefeiert.
1873
tanzte man dann auf übermütigen Subscribtions-Maskenbällen
und Jubiläen wie der 25. Gründungstag der immer Interesse
findenden "Europäischen Modeakademie" lieferten Schlagzeilen.
1901 standen auf dem nun so berühmten Gelände das große
Festgebäude mit dem Konzertgarten wie auch ein "elegant
ausgestattetes Weinrestaurant" und die Drachenschänke.
Wer wollte daran zweifeln, dass es die Linckes ihren Gästen
immer Recht getan haben?
Text+Abbildung: Hans Ruben
zurück
|